Hier findet ihr einen ausführlichen Steckbrief über die Rabenkrähe und ihr Verhalten - immer mal wieder aktualisiert, sobald ich was Neues rausfinde ^^

Einordnung

Größe

Gewicht

Stimme

Verbreitung

Flugbild

Nahrung

Brutpflege

Sozialverhalten

Zugverhalten

Spezielle Verhaltensweisen

Rabenkrähe

 

 

Einordnung:


Reich Tiere
Stamm Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse Vögel (Aves)
Unterklasse Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung Singvögel (Passeri)
Familie Rabenvögel (Corvidae)
Gattung Raben und Krähen (Corvus)
Art Aaskrähe (Corvus corone)
Unterart Rabenkrähe (Corvus corone corone)

 

Die Rabenkrähe (corvus corone corone) bildet zusammen mit der Nebelkrähe (corvus corone cornix) die Art der Aaskrähe und gehört zu den Rabenvögeln. Sie sind das, was man sich hierzulande unter einem klassischen Rabenvogel vorstellt.

Rabenkrähen werden manchmal auch als Gemeine Krähe, Krähenrabe oder Hauskrähe bezeichnet.

Größe: Etwa 43 bis 47 cm, Flügelspannweite bis 95 cm


Eine Rabenkrähe; aufgenommen im Aachener Tierpark Eine Rabenkrähenfeder

 

Gewicht: Männchen wiegen 520 - 650g, Weibchen sind mit 430 - 610g etwas leichter.

Stimme:


Der Ruf der Rabenkrähe ähnelt meistens einem "wärr" oder "krah" und wird immer einige Male hintereinander wiederholt. Als Warnruf dient ein durchdringendes "kirr". der Gesang ist bauchrednerartig und plappernd, mit häufigen Wiederholungen.

Verbreitung:

Aaskrähen sind vom Atlantik über Europa bis nach Mittelasien verbreitet.

Dabei ist im westlichen Gebiet bis zur Elbe, Tschechien bzw. dem Ostalpenrand die Rabenkrähe angesiedelt, ihre Verbreitung reicht im Norden bis zur Südgrenze Dänemarks, im Süden bis zu den Alpen.

In Osteuropa, aber auch in Italien, Irland und Skandinavien ist die Nebelkrähe verbreitet. Im Grenzgebiet vermischen sich die beiden Unterarten.

Nebelkrähe - aufgenommen in WienRabenkrähe


(links: Nebelkrähe (Wien), rechts: Rabenkrähe (Köln))

Vorwiegend leben die intelligenten Vögel in überwiegend offenem Land, also Felder, Waldränder etc. In dichtem Wald sind sie eher selten anzutreffen, dafür tauchen sie immer öfter in Städten auf - und profitieren vom reichhaltigen Nahrungsangebot dort.

Flugbild:


Die Rabenkrähe fliegt sehr gleichmäßig mit deutlichen Auf- und Abbewegungen der Flügel. Dadurch wirkt ihr Flug vergleichsweise langsam und weniger "flatterhaft" als der kleiner Singvögel.

Meistens sieht man sie einzeln oder zu zweit, bei Jungvögeln in kleinen Trupps (s. Sozialleben).

Im Gegensatz zum Raben ist der Schwanz der Rabenkrähe im Flugbild gerade abgeschnitten (und nicht keilförmig wie beim Kolkraben).

Nahrung:

Aas, Eier, Jungvögel, Kleintiere (z.B. Frösche, Kleinsäuger, kleine Fische, Muscheln), Obst, Abfälle, Insekten, Schnecken etc.

Rabenkrähen sind Allesfresser, sie vertilgen also so ziemlich alles, was ihnen vor den Schnabel kommt. Dabei beweisen sie oft erstaunliche Kreativität.

So nutzen die Vögel beim Plündern von Nestern gezielt Störungen von Menschen, die - z.B. durch landwirtschaftliche Tätigkeiten oder als Spaziergänger - die Altvögel ablenken. Manchmal betreiben die Krähen auch "Arbeitsteilung": Ein Vogel lenkt die Eltern ab, der andere macht sich über das Gelege her.

Wenn Rabenkrähen an Flussufern Muscheln sammeln, knacken sie diese mit dem Schnabel auf oder tragen sie in die Luft und lassen sie dann über hartem Untergrund fallen, sodass die Schale aufspringt. Genauso öffnen sie auch Nüsse.

An Sträuchern drücken Krähen oft Zweige mit dem Schnabel oder Fuß hinunter, um die Früchte erreichen zu können.

Manche Rabenkrähen sind sogar geschickt genug, um anderen Vögeln ihre Beute im Flug abjagen zu können.


Eine Krähe, vermutlich auf Futtersuche


Diese Krähe beobachtete ich in einem Tierpark in der Nähe der Schweinesuhle. Vermutlich suchte sie hier nach Futterresten oder Insekten, die sich in der Nähe der Schweine aufhalten. Oft kann man auch Krähen beobachten, die sich auf Viehweiden herumtreiben, um von Futterresten zu profitieren und im kurzgefressenen Gras nach Insekten zu suchen.

Die Ansicht, dass Rabenkrähen für den Rückgang vieler Singvogelarten verantwortlich seien, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Tatsächlich plündern die Krähen gerne Nester und fressen die Eier bzw. Jungvögel, dies macht jedoch nur einen kleinen Teil ihrer Ernährung aus und gefährdet nicht die komplette Art. Tatsächlich stellen Marder, Katzen und sogar Eichhörnchen eine mindestens ebenso große Bedrohung dar, von Pestiziden und Ausdehnung der Städte ganz zu schweigen. Mehr dazu unter Vorurteile.

In meinem letzten Urlaub in De Haan an der belgischen Küste konnte ich ein paar echte "Wasserkrähen" beobachten: Die Rabenkrähen waren jeden Tag am Strand anzutreffen, wo sie die ausliegenden Netze nach Fischresten absuchten oder bei Ebbe im seichten Wasser nach Fischen pickten.


"Strandkrähen" in De Haan ( April 2009)

Brutpflege:

Rabenkrähen leben monogam (d.h. sie bilden Paare, die ein Leben lang zusammen bleiben, es sei denn, ein Partner stirbt).

Mit zwei Jahren werden die jungen Krähen geschlechtsreif, die meisten Vögel brüten aber erst mit fünf Jahren zum ersten Mal, davor bilden sich aber schon Paare (mehr dazu bei "Sozialverhalten").

Brütende Paare erobern sich ein etwa 15 bis 40 Hektar großes Revier, das von vielen Paaren das ganze Jahr über bewohnt und verteidigt wird. Besonders sorgsam wird der Bereich unmittelbar ums Nest bewacht, durch Imponiergehabe wie Schauflüge und Abschreiten der Grenzen wird der Anspruch verdeutlicht.

"Nachbarn", die das Paar durch Begegnungen an den Grenzen trifft, werden mit der Zeit viel weniger aggressiv angegriffen als fremde Krähen, da bei ihnen die Gefahr eines Eindringens ins Revier geringer ist.


Beide Elterntiere sind an der Brutpflege beteiligt

 

Offenbar sucht meistens das Männchen den Nistort aus, am Liebsten hoch oben in Bäumen in stabilen Astgabeln der Baumkrone. Zur Not brüten Krähen auch gelegentlich in Kirchtürmen, Felsnischen, Schornsteinen etc. oder im Gebüsch.

Beide Partner bauen das große, stabile Nest (Durchmesser 30 - 40cm, Höhe etwa 20cm), was sie ungefähr eine Woche lang in Anspruch nimmt (manchmal dauert der Nestbau auch länger.) Das Nest wird aus Zweigen geflochten und mit feuchter Erde verstärkt.

Anfang April legt das Weibchen jeweils im Abstand von 24 Stunden 3 - 6 grün-grau gefärbte Eier ins Nest (seltener auch 2 oder 7), erst nach der Ablage des dritt- oder vorletzten Eis beginnt es, zu brüten.


Junge Rabenkrähe - Bildmaterial zur Verfügung gestellt von Einhorn e.V. (s. Quellen)


(Foto: junge Rabenkrähe, zur Verfügung gestellt von Einhorn e.V. (s. Impressum))

Nur das Weibchen brütet etwa 17 bis 21 Tage lang, aber das Männchen versorgt es in dieser Zeit mit Nahrung.

Dann schlüpfen die Babykrähen. Damit ist der Stress für die Eltern aber noch lange nicht vorbei, die Jungen werden noch bis zu 32 Tage lang gefüttert und mutig gegen alle Angreifer verteidigt. Selbst aus dem Nest gefallene Küken werden weiterhin von den Eltern versorgt.

Bei heißem Wetter machen die Alttiere sogar ihr Gefieder nass und schütteln es über dem Nest aus, um die Jungen zu „duschen“ – von wegen „Rabeneltern“!

Wenn die Küken selbstständig sind, schließen sie sich in kleinen Gruppen zusammen, bis sie selber einen Partner gefunden haben und ein Revier zum Brüten suchen. So haben die Krähen mit etwas Glück noch bis zu 19 Jahre vor sich – so lange dauert nämlich ein durchschnittliches Krähenleben. Es gibt allerdings auch Berichte von Tieren, die bis zu 70 Jahre alt wurden!

Sozialverhalten:


Krähen sind sehr intelligente und soziale Tiere. Neben den Papageien sind sie wahrscheinlich die cleversten Vögel überhaupt! Von Menschen aufgezogene Tiere können sehr zahm werden und sogar sprechen lernen.

Untereinander pflegen Rabenkrähen ausgeprägte Sozialkontakte, sie pflegen beispielsweise gegenseitig ihr Gefieder, wobei sie besonders gerne mit ihrem Schnabel die Federn über den Augen "beknipseln". Möglicherweise kommt daher auch der Ausdruck "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus", denn verletzen tun sich die Vögel dabei nie.


Rabenkrähen haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten und verbringen viel Zeit mit der gegenseitigen Gefiederpflege

 

Bei der "Krähenbevölkerung" gibt es eine Art "Zweiklassengesellschaft", nämlich die kräftigen, ranghohen Paare, die ein Revier besetzen, um zu brüten, und die "Junggesellen", die in mehr oder weniger großen Trupps herumziehen. Diese Versammlungen zeugen nicht von einer Überbevölkerung, im Gegenteil, es wird dafür gesorgt, dass nur die stärksten Tiere die Möglichkeit zur Fortpflanzung kommen.


Die "Vagabundenkrähen", häufig Jungtiere, können sich aber trösten, da auch die meisten von ihnen später ein Revier besetzen können. Übrigens finden Jungkrähen in diesen Nichtbrütertrupps auch meist ihren Partner, mit dem sie oft schon zusammenkommen und sich zärtlich gegenseitig pflegen, noch bevor sie zu brüten beginnen.

Oft liest man, dass Rabenkrähen in kleineren Gruppen oder Paaren anzutreffen sind, Saatkrähen hingegen in Schwärmen. Prinzipiell stimmt das, lässt sich aber nicht verallgemeinern: Auch Saatkrähen können durchaus in Paaren gesichtet werden, und je nach Nahrungsangebot versammeln sich an vielen Stellen auch Rabenkrähen in größeren Schwärmen.

Ich konnte beispielsweise auf Feldern schon häufig große Ansammlungen von Rabenkrähen entdecken, die dort nach Saatgut oder Insekten pickten.

Zugverhalten:


Rabenkrähen sind Strich- und Standvögel. Das bedeutet, dass sie keine größeren Strecken ziehen wie z.B. Storche, sondern eher "sesshaft" sind.

Jungvögel verlassen zwar das elterliche Revier, bleiben aber meistens in der Nähe ihres Geburtsortes.

Nebelkrähen wandern eher als Rabenkrähen, da sie in kälteren, östlicheren Gebieten leben. Im Winter ziehen sie teilweise in den Südwesten, wie auch manche Rabenkrähen im Norden und Nordwesten Deutschlands (maximal 750 km weit).

Da die Winter aber tendenziell milder werden, nimmt die Zahl der wandernden Vögel ab bzw. die Strecken werden kürzer.

Spezielle Verhaltensweisen:

 

Krähen zeigen oft verblüffende Verhaltensweisen. So setzen sie sich z.B. häufig in Ameisenhaufen... Indem sie wild mit den Flügeln schlagen, machen sie die Insekten so aggressiv, dass sie sie mit Ameisensäure bespritzen. Das wiederum tötet Milben und anderes Ungeziefer im Gefieder der Vögel ab. Tja, Ideen muss man haben!

Aus demselben Grund sitzen Krähen auch oft auf Schornsteinen - der Rauch desinfiziert offenbar ihr Gefieder.

Krähen und Raben sind sehr verspielt. Sie rollen sich zum Beispiel gerne Abhänge hinunter, besonders wenn Schnee liegt.


Rabenkrähe im Schnee


Außerdem wurde beobachtet, wie eine Krähe sich an einem Telefonkabel festhielt und dann an einem Fuß hängend kopfüber daran schaukelte... um mehr über diese Beobachtung zu erfahren, klickt hier.

In der Forschung hat man erstaunliche Intelligenzleistungen bei Rabenvögeln nachgewiesen.

Sie sind beispielsweise in der Lage, andere nur durch Beobachtung sofort nachzuahmen (was durchaus nicht selbstverständlich ist) und in gewissem Maße abstrakt zu denken. Krähen waren in der Lage, Draht zu einem Werkzeug zu verbiegen oder ähnliche Aufgaben zu lösen.

Eine Studie des Verhaltensbiologen Louis Lefebvre von der McGill-Universität in Montreal (Kanada) stufte Krähen als die Klügsten unter den Vögeln ein. Bei der Analyse von 2000 ornothologischen Studien zu Problemlösungsstrategien und Lernverhalten schnitten Krähen am Besten ab. Japanische Rabenkrähen wurden z.B. dabei beobachtet, wie sie an Kreuzungen auf an roten Ampeln haltende Autos warteten, um Nüsse vor die Reifen zu legen. Diese wurden dann beim Anfahren aufgeknackt.

(Quelle: Die Welt: "Krähen sind die Klügsten"; von Wolfgang W. Merkel; 23.02.2005; zum Artikel)


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